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Sicherer Hafen Haftungsdach – warum Ihnen die Regulierungsflut egal sein kann

Karsten Kehl
18. Oktober 2020
Vorstand der Bank für Vermögen

Die Regulierung, hat in unserer Branche das Ziel, die Beratungsqualität für Kunden zu sichern und zu erhöhen. Dieses Anliegen hat der Gesetzgeber nicht exklusiv. Im Gegenteil, die Branche hat verständlicherweise ein vitales Eigeninteresse an einer sauberen Beratung und zufriedenen Kunden. Ein Berater, der sich nicht an die Standards hält, wird sich auch im Markt nicht lange halten. Sicher, es gibt schwarze Schafe. Die gibt es in jeder Branche. Denken Sie an den Kollegen beim Nachrichten Magazin DER SPIEGEL, ein mehrfach ausgezeichneter Journalist*, der seine Geschichten nur teilweise recherchiert und großteils fabuliert hat. Denken Sie an Wirecard, wenn Sie in unserer Branche bleiben wollen. Hier wird der Schäfer auch nicht viel Weißes entdecken, weder Fell noch Weste. Das sind sicherlich Extremfälle, aber auch die kommen eben vor.

Der Zusatzdreh an der Regulierungsschraube

Der Gesetzgeber reagiert auf diese Extremfälle in schöner Regelmäßigkeit mit einem Zusatzdreh an der Regulierungsschraube. Das schmerzt vor allem jene, die ohnehin schon sauber arbeiten. Denn was auf dem Papier erstmal gut aussieht, bedeutet in der Praxis oft erhebliche Umstellungen im Betrieb, für interne Arbeitsabläufe und das Set-Up externer Dienstleister. Ein Paradebeispiel hierfür ist das sogenannte Taping – die Aufzeichnungspflicht für Telefonate und elektronische Kommunikation. Denn was verbirgt sich denn konkret hinter dem unscheinbaren Begriff? Vermittler, die die Vorgaben selbst umsetzen wollen, müssen Angebote, Dienstleister und Technik recherchieren, Datenschutzfragen zur Speicherung klären und das Beratungsgespräch anpassen, etwa durch die Frage: Sind sie damit einverstanden, dass ich unser Gespräch jetzt aufzeichne? Das sind alles Zusatzaufwände, die keinen Cent Umsatz bringen, aber Zeit, Nerven und Geld kosten. Das ist im Einzelfall vielleicht nicht dramatisch, doch es ist die Summe der Einzelfälle, die ein Geschäftsmodell an den Rand seiner Tragfähigkeit bringen können.

Wer vor dem Sog der befürchteten Konsolidierungswelle sicher ein will, muss sich etwas einfallen lassen. Denn die Rechnung: mehr Aufwand, mehr Kosten, weniger Beratungszeit, kann auf Dauer nicht aufgehen. Zumindest nicht für jeden. Einen sicheren Hafen für all jene, die lieber ihren Job machen, als gegen die Regulierungsflut anzuschwimmen, bietet das Haftungsdach. Das gilt für Vermögensverwalter nach § 32 KWG und Vermittler nach § 34f GewO gleichermaßen; es gilt für den Status quo und erst recht für das kommende BaFin-Regime. Denn Haftungsdächer operieren bereits heute schon unter der Aufsicht der BaFin. Wer in Zukunft vor Überraschungen sicher sein will, muss sein Geschäftsmodell heute so aufstellen, dass ihm die kommenden regulatorischen Änderungen egal sein können, weil er ihre Einhaltung als Dienstleistung an das Haftungsdach gewissermaßen auslagern kann.

Das Haftungsdach ist besser als sein Ruf

Das klingt erstmal charmant, trotzdem tun viele Vermittler und Vermögensverwalter sich mit dem Gedanken schwer, einem Haftungsdach beizutreten. Die Vorbehalte beruhen oft auf Vorurteilen, die in der Wirklichkeit keinen Bestand haben. Die Klassiker lauten: das Haftungsdach mache Vertriebsvorgaben, schränke die Produktauswahl ein oder koste die Eigenständigkeit. Für die Bank für Vermögen kann ich all das ausschließen. Im Einzelfall trifft sogar eher das Gegenteil zu. Denn als eingetragene Wertpapierhandelsbank bieten wir alle für den Vertrieb in Deutschland zugelassenen Fonds an, außerdem Aktien, Anleihen und Zertifikate. Die Kooperation mit einem Haftungsdach bedeutet in dieser Hinsicht vielmehr eine Erweiterung der Produktpalette, keine Beschränkung. Insofern bin ich mir sicher, dass das Haftungsdach in naher Zukunft eine Renaissance erleben wird. Es wir als Enabler für viele professionell arbeitende Vermittler einen zusätzlichen Schub bringen. Davon profitiert am Ende auch der Kunde, in dessen Interesse wir schließlich alle agieren, Gesetzgeber wie Finanzberater, Haftungsdächer wie Pools und Produktgeber.

 

*Der Fall Relotius: zum SPIEGEL

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