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Craft Beer – Made in Germany

Thomas Ötinger
19. Oktober 2020
Zertifizierter Biersommelier

Bier hat in Deutschland eine lange Tradition. Bei geselligen Runden mit Freunden oder zu einem genussvollen Abendessen gehört es für viele dazu. Geschmack intensiv zu erleben, das macht den bewussten Genuss aus – zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort, in guter Gesellschaft. Bewusster Genuss und verantwortlicher Umgang setzen Wissen voraus, über individuelle Lebensphasen und ein risikoarmes Umfeld. Aus diesem Grund habe ich mein Hobby „Biergenuss“ professionalisiert und mich dieses Jahr zum zertifizierten Biersommelier ausbilden lassen. Als Wahlfranke aus der Nähe von Bamberg habe ich vor der Haustüre etliche Brauereien, die handwerklich gebraute Biere herstellen und auch alte Bierstile, teilweise mit Aromahopfen und Spezialmalzen brauen. Seit 2015 beschäftige ich mich außerdem mit der Craft-Bier-Szene.

Was ist Craft Beer?

Craft Beer ist ein in Deutschland relativ junges Phänomen. Erst seit kurzem werden solche Biere deutschlandweit gebraut und getrunken. Die handwerkliche Zubereitung von Bieren mit besonderen Aromen findet in den letzten Jahren immer mehr Anhänger. Vor allem in urbanen Zentren wie Berlin, Hamburg, München und Köln entstehen viele Bars, Clubs und Events, die sich mit dem Thema Bier mit besonderem Geschmack beschäftigen. Aber auch Städte wie Bremen, Frankfurt, Nürnberg und Leipzig ziehen nach.

Eine exakte Definition von Craft Beer gibt es nicht. Festzuhalten ist, dass der Trend für hochwertige Biere mit besonderen Zutaten aus den USA nach Deutschland gekommen ist. „Craft“ steht in der amerikanischen Bedeutung für „handgemacht“. Diese Bedeutung ist heute nicht mehr allgemeingültig. Brauereien, die ursprünglich zu den Wegbereitern des Craft Beers in den USA gehörten, sind heute teils große Konzerne mit Niederlassungen in Europa und auf mehreren Kontinenten. Was bleibt, ist eine Reihe neuer oder neu interpretierter Sorten und Bierstile. Diese werden von deutschen Brauereien aufgegriffen, gebraut und oftmals auf eigene Weise interpretiert.

Woher stammt der Begriff “Craft”?

Der Begriff „Craft Beer“ ist für den deutschen Markt nicht allzu gut geeignet. Biere dieser Art sind besser als kreative oder hochwertige Biere zu beschreiben. Bierspezialitäten ist auch ein guter Begriff. CRAFT Beer versteht sich als Gegenbewegung zu industriell gebrautem Bier. In den USA der 1980er Jahre entstanden eine Vielzahl von Micro Breweries, Brew Pubs und anderen kreativen Bierschmieden.  Ursache war eine kurz zuvor vollzogene Gesetzesänderung, die das Heimbrauen nach dem bis dahin gültigen Verbot aus den Tagen der Prohibition wieder gestattete . Mit der neuen Gesetzgebung war es fortan legal, in der heimischen Garage zu brauen, was vorher noch als illegal verfolgt wurde. Handwerklich arbeitende Brauereien bezeichneten sich seitdem als Craft Breweries; ihre Popularität wuchs schnell. Einige dieser Unternehmen sind heute noch aktiv und sehr stark gewachsen. Der Export von Bieren aus den USA nach Deutschland ist groß. Eine Auswahl amerikanischer Pale Ales, IPAs und Lager findet sich heute in den meisten Craft Beer Shops in Deutschland.

Wird in Deutschland Craft Beer nach dem Reinheitsgebot gebraut?

Eine Frage, die immer wieder auftaucht ist, ob das Reinheitsgebot von 1516 auch für Biere der Kategorie Craft Beer gilt. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass auch nach dem Reinheitsgebot Biere mit gutem Geschmack gebraut werden können. Das Reinheitsgebot in seiner ursprünglichen Form gilt in Deutschland nicht mehr. In seiner Fassung von 1516 beschrieb es andere Aspekte der Bierbrauerei als heute üblich. Der Urtext des Reinheitsgebots gibt Aufschluss darüber, was ursprünglich Ziel und Zweck dieser Verordnung war. Neben der Festlegung von Gerstenmalz, Hopfen und Wasser als einzige Zutaten spielte vor allem die Preisfestsetzung eine Rolle. Heute sind die Regeln für German Beer im vorläufigen Biergesetz von 1993 festgelegt. Dort wird geregelt, was heute in Deutschland als Bier gilt und was nicht.

Was im Ausland gebraut wird, fällt nicht unter deutsche Gesetze. Und was in Deutschland für den Export gebraut wird, fällt ebenfalls nicht unter diese Regeln. Das Biergesetz als Form des Reinheitsgebots stellt einen deutschen Sonderweg dar, der weltweit kaum Bedeutung hat. Bei der Gestaltung internationaler Sorten spielt das Reinheitsgebot keine Rolle. Doch oft werden auch für internationale Biere lediglich Zutaten wie Malz, Hopfen und Wasser verwendet.

Autor: Thomas Ötinger, geschäftsführender Gesellschafter der marcapo GmbH; zertifizierter Biersommelier seit 2020. 

Der Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von: https://vonfreude.de/pages/craft-beer-wiki


1 thought on “Craft Beer – Made in Germany

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